zum Inhalt springen

Dr. Dominik Waßenhoven

Akademischer Rat

Forschungsschwerpunkte

  • Früh- und Hochmittelalter
  • Politische Geschichte
  • Kirchengeschichte
  • Angelsächsische Geschichte
  • Skandinavische Geschichte
  • Vergleich, Komparatistik
  • Kulturtransfer im Mittelalter

Habilitationsprojekt

Die Rolle von Bischöfen bei ottonisch-salischen und angelsächsischen Herrscherwechseln des 10. und 11. Jahrhunderts

»Nach dem Tod des Kaisers begann das Reich, das durch den Verlust seines Vaters gleichsam verwaist war, bald zu wanken. Besorgnis und Unruhe ergriff daher alle, die es gut meinten, die Schlechten hofften auf Unordnung im Reich.« Wipo, der Biograph Konrads II., zeichnet die Situation nach dem Tod Kaiser Heinrichs II. (1024) in düsteren Farben. Herrscherwechsel waren häufig Zeiten des Umbruchs, besonders dann, wenn mehrere Kandidaten um die Nachfolge stritten. Das lag unter anderem daran, dass es keine transpersonale Vorstellung vom Reich gab und auch keine Institutionen, die das Machtvakuum füllen konnten. Der König übte seine Herrschaft durch persönliche Bindungen aus, die bei seinem Tod hinfällig wurden.
Wer konnte in diesen Situationen der Instabilität für einen geordneten Übergang sorgen? Waren es die Bischöfe, die zur Zeit der Ottonen und Salier eng mit dem König kooperierten und eine bedeutende Stellung innehatten? Um diese Fragen zu beantworten, werden die Handlungen der Bischöfe während der Thronstreitigkeiten einer eingehenden Analyse unterzogen. Indem ihre Verhaltensweisen und leitenden Ordnungsvorstellungen ermittelt werden, kann nicht nur ihre Rolle während der Herrscherwechsel eingeschätzt, sondern auch ein differenziertes und konkretes Bild der politisch-sozialen Wirklichkeit und der diese bestimmenden Strukturen gewonnen werden.
Neben drei umstrittenen Herrscherwechseln im ostfränkischen Reich werden vier ebenfalls kontroverse Thronwechsel im angelsächsischen England in den Blick genommen. Der komparatistische Ansatz erlaubt es, die oftmals behauptete europäische Sonderstellung der ottonisch-salischen Reichskirche zu überprüfen, und gibt auch darüber Aufschluss, ob (Dis-)Kontinuitäten im Zusammenhang mit den Herrscherwechseln strukturelle Merkmale aufweisen, berührt also die derzeit vieldiskutierte Frage frühmittelalterlicher »Staatlichkeit«.